Ein Weg mit vielen Highlights
Der GR 16 ist ohne Zweifel ein heimliches Juwel unter den Weitwanderwegen in den Ardennen. Der Fluss, dem der ‘Sentier de la Semois’ seinen Namen verdankt, entspringt in Arlon in der Nähe der Belgisch-Luxemburgischen Grenze und fließt in Monthermé in Frankreich in die Maas, die hier natürlich ‘La Meuse’ heißt. Der Trail begleitet den Fluss auf seinem malerischen Lauf durch die südlichen Ardennen und führt den Wanderer mal über Höhen und mal direkt an der Semois entlang und bietet ihm dabei oft beeindruckende Aussichten auf den Fluss und die umliegenden Landschaften und immer wieder auch idyllische Rastplätze direkt am Wasser.
Der Trail verläuft oft auf schmalen Wegen über Wurzelpfade oder felsigen Untergrund. In einigen Abschnitten muss man auch etwas klettern und bei Regen kann der Weg rutschig sein. Gutes Schuhwerk ist also unbedingt erforderlich. Mit etwas Erfahrung auf unebenem Terrain und einer guten Grundkondition lassen sich aber auch diese Passagen problemlos bewältigen.
Die Gesamtstrecke beträgt ca. 210 km. Mit mehr als 4.400 Höhenmetern bergauf richtet sich diese Strecke eher an erfahrene Wanderer. Insbesondere auf dem Abschnitt zwischen Bouillon und Monthermé geht es oft steil bergauf. Um die Anforderungen bestehen zu können, sollte man unbedingt des Gepäck leicht halten und für ausreichend Proviant und Trinkwasser sorgen. Doch die Mühe lohnt sich. Die Anstiege sind manchmal brutal, aber man erhält sehr oft großartige Aussichten an den zahlreichen ‘Points de vue’ mit interessanten Pausenplätzen.
Insgesamt ist der Trail sehr reich an echten Highlights wie z.B. den Dolmen von Azy, les Grottes de Saint-Remacle, die Burg in Bouillon oder le Tombeau du Géant, das wahrscheinlich meistfotografierte Landschaftsmotiv in der Wallonie.
Anreise und Einteilung der Etappen
Eine offizielle oder empfohlene Einteilung der Etappen gibt es wahrscheinlich nicht. Man wird sich bei der Planung unweigerlich an den möglichen Ein- uns Ausstiegsstellen orientieren müssen. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Arlon anreisen möchte – hier startet oder endet der GR 16 – fährt am besten über Luxemburg. Ein kleiner Tipp: es fährt jeden Morgen ein Flixbus ab Düsseldorf hierhin.
Weitere Ein- und Ausstiege auf dem GR 16 mit Bahn und Bus gibt es nicht viele. In Florenville ist eine kleine Bahnstation und Bouillon ist gut an das Busnetz der TEC angeschlossen.
Und für die Rückfahrt sollte man wissen. dass es keine Verbindung mit Bahn oder Bus zum Start der Wanderung gibt. Die ab Monthermé am besten zu erreichende Großstadt ist wohl Paris. Zwischen Montag und Freitag kann man eventuell auch mit der Bahn nach Luxemburg (via Charleville, Sedan und Longuyon) und außerdem gibt es eine Busverbindung von Givet nach Dinant. Und von dort kommt man gut nach Lüttich/Liège.
Ich habe die Strecke etwas verkürzt und bin Ende Mai 2025 in Florenville gestartet. Der kleine Bahnhof ist mit einigen Umstiegen via Lüttich/Liège erreichbar. Die Wanderstrecke von Florenville nach Monthermé beträgt 140 km und es sind ca. 3880 Höhenmeter bergauf zu bewältigen. Folgende Etappen habe ich gewählt:
- Florenville Gare nach Chassepierre (ca. 16 km)
- Chassepierre nach Mortehan ( ca. 27,4 km)
- Mortehan nach Bouillon (ca. 36 km)
- Bouillon nach Vresse sur Semois (ca. 27,6 km)
- Vresse sur Semois nach Semoy (14 km)
- Semoy nach Monthermé (ca. 19 km)
Für einen Zero-Day bietet sich Bouillon an. Man sollte dort unbedingt nicht die Gelegenheit verpassen, die Burg zu besichtigen. Sie ist aus dem 11. Jahrhundert und geht zurück auf Gottfried von Bouillon. Er war als einer der ersten Anführer der Kreuzzüge im Jahr 1096 so erfolgreich, dass er auch Herrscher von Jerusalem wurde. Mit der Eintrittskarte zur Burg kann man zusätzlich drei weitere Attraktionen besichtigen und zumindest die Mittelalterausstellung sollte man sich nicht entgehen lassen.
Infrastruktur und Übernachtungsmöglichkeiten
Viele Hotels oder ähnlich komfortable Unterkünfte wird man nicht finden am GR 16. Entlang der Strecke gibt es aber zahlreiche Campingplätze, der Wanderweg ist somit perfekt für eine Trekking-Tour mit dem Zelt und Outdoor-Equipment. Wildcampen ist hier offiziell verboten, wird aber anscheinend toleriert und ich habe unterwegs auch ein paar gute Gelegenheiten dazu gesehen.
Wer unterwegs Proviant nachkaufen möchte, kann dies in Florenville, Bouillon und überraschend gut in Bohan erledigen. Rochehaut ist sehr touristisch, hier gibt es neben einer Brasserie auch ein Geschäft mit lokalen Spezialitäten.
Die Campingplätze habe ich mir selbstverständlich nicht alle ansehen können. Der Platz ‘Les Cabrettes’ bei Chassepierre hat eine ordentliche Gastronomie, nachts ist es ruhig und die Sanitären Anlagen sind sauber und alles funktioniert. Auch der Platz in Vresse-sur-Semois ist absolut ok. Aber besonders positiv aufgefallen ist der Platz “Les Ochay’ in Mortehan. Hier stimmt einfach alles: die ruhige Lage am Wasser, die Freundlichkeit der Gastgeber, die gemütliche Terasse. Die Sanitären Anlagen sind alle auf modernstem Stand und tadellos sauber und sogar der Rasen ist auf Wimbledon-Niveau.
Eine besondere Übernachtungsmöglichkeit bietet sich in Bouillon im ‘Hotel de la Poste’. Es besteht seit 1730. Es ist also unvorstellbar alt, fast 300 Jahre, und hier hat sogar schon Napoleon III. auf einer Durchreise übernachtet.
Fazit
Die Landschaft entlang der Route ist atemberaubend schön. Wer ein paar Tage Zeit hat und mit Zelt und Rucksack durch die Natur wandern möchte, dem kann ich den GR 16 sehr empfehlen.
Selbstverständlich sollte man nicht unvorbereitet auf den Weg gehen. Mit guter Planung und vollständigem Equipment und dem richtigen Mindset macht der Weg richtig Spaß. Vielleicht zum Abschluss noch ein paar Tipps
- Lade dir die Strecke zur Offline-Navigation vorher herunter und beschäftige dich genau mit der Infrastruktur.
- Die Wettervorhersage sollte man hier immer genau im Blick halten. Im Sommer kann die Gewittergefahr hoch sein.
- Bei An- und Abreise mit Bahn und Bus plant man diese am besten jeweils zwischen Montag und Freitag.
- Lade dir vorher rechtzeitig die Apps der regionalen Bus und Bahnunternehmen: TEC (Bus), SNCB und SNCB-International (Belgische Bahn) und SNCFConnect (Französische Bahn) und richte jeweils einen Account und eine Bezahlmöglichkeit ein.

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